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Martina Renner

Krypto-Handys der Bundesregierung sind keine Alternative

Die Bundesregierung hat den Obleuten des NSA-Untersuchungsausschusses Kryptohandys zur Verfügung gestellt. Leider lösen die das Problem nicht, dass wir zumindest manchmal telefonieren müssen, ohne dass dabei jemand zuhört.

Die Bundesregierung hat den Obleuten des NSA-Untersuchungsausschusses Kryptohandys zur Verfügung gestellt. Leider lösen die das Problem nicht, dass wir zumindest manchmal telefonieren müssen, ohne dass dabei jemand zuhört.

Die Handys, die die Bundesregierung gekauft hat, wurden von der Düsseldorfer Firma Secusmart hergestellt und basieren auf einem Gerät von Blackberry. Im Blackberry steckt ein Chip mit den Krypto-Funktionen, der vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) entwickelt wurde und an sich durchaus vertrauenswürdig ist.

Nur: Über Blackberry wissen wir, dass es eine kanadische Firma ist, die auch schon früher Hintertüren für Behörden in ihre Handys eingebaut hat. Kanada gehört bekanntlich zu den Five Eyes-Staaten, den fünf Staaten also, deren Geheimdienste eng kooperieren, darunter auch die der USA und Großbritanniens. Letztes Jahr wurde bekannt, dass sich die NSA Zugang zu den Nutzerdaten von Blackberry-Geräten verschaffen kann. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass dies nur normale Blackberrys betrifft, stellen sich für die Secusmart-Telefone neue Fragen.

Auch Secusmart ist dafür bekannt, Hintertüren in Geräte einzubauen. Und so besteht das Problem, dass die gesprochene Sprache erst mal ‚durch das Gerät hindurch muss‘, bevor sie dann mithilfe des Verschlüsselungs-Chips vor dem Abhören geschützt wird. Das bedeutet, dass hier sowohl bewusst eingebaute Hintertüren als auch unbeabsichtigte technische Fehler, sogenannte Bugs,  die Inhalte unserer Gespräche an Dritte übermitteln können, bevor sie überhaupt verschlüsselt werden.

Schließlich wissen wir seit Juli, dass Secusmart an Blackberry verkauft wird – das trägt zumindest nicht dazu bei, dass ich mehr Vertrauen in Secusmart-Produkte entwickle und dem BSI scheint es ähnlich zu gehen, denn es prüft nun, ob der Vertrag der Bundesregierung mit Secusmart überhaupt verlängert werden sollte.

Das einzige, was ich also sicher weiß ist, dass mich die sogenannten Krypto-Handys nicht davor schützen, dass meine Gespräche abgehört werden. Ein unsicheres Handy habe ich aber schon und ein zweites brauche ich nicht.