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Martina Renner

Der Prozess ließ viele Fragen offen

Grußwort von Martina Renner zur Gedenkkundgebung für Blanka Zmigrod in Frankfurt/Main.

Liebe Engagierte,

gerne komme ich dem Wunsch nach, ein Grußwort zu schicken. Noch lieber wäre ich persönlich bei Euch und Ihnen, doch der Sitzungskalender lässt das leider nicht zu.

Der Mord an Blanka Zmigrod ist auf mehrere Weisen schrecklich.

Schrecklich ist, dass der Neonazi John Ausonius unvermittelt und gewaltsam ein Leben beendete, das bereits von antisemitischer Verfolgung und Vernichtung gezeichnet war. Blanka Zmigrod überlebte vier Konzentrations- und Vernichtungslager. Nach dem Sieg über den Faschismus wanderte sie nach Israel aus, zog aber in den 60er Jahren mit ihrem Lebensgefährten nach Frankfurt, ins Land der Täter.

Schrecklich ist auch, dass der Fall in mancher Hinsicht beispielhaft ist für den Umgang mit Rechtem Terror in Deutschland.

Es vergingen 25 Jahre nach dem Tod von Blanka Zmigrod, bevor in ihrem Fall Anklage erhoben wurde. Und dennoch ließ der Prozess viele Fragen offen: Zu wem hatte ihr Mörder in Deutschland Kontakt? Wer besorgte ihm seinen gefälschten Pass? Was befand sich auf dem Taschencomputer, den Ausonius bei Zmigrod vermutete?

Sowohl die ungeklärten Fragen als auch der lange Zeitraum, in dem die Täterschaft ungeklärt war, sind bezeichnend für das Desinteresse und die Verleugnung, mit der in Deutschland rechter Terror und dessen Opfer behandelt werden.

Blanka Zmigrod war weder berühmt noch einflussreich, sie gehörte, soweit ich weiß, keiner Partei und keiner Vereinigung an, die nach ihrem Tod auf Erfassung der Täter oder Aufklärung von Tat und Umständen hätten drängen können.

Auch das ist schrecklich: Dass es kein ausreichend starkes gesellschaftliches, staatliches oder politisches Interesse gibt, solche Taten aufzuklären und zu erinnern.

Insbesondere vor diesem Hintergrund ist es ein hoffnungsvolles Zeichen, dass es nun eine Initiative für eine bleibende würdige Erinnerung an Blanka Zmigrod in Frankfurt gibt.

Diese Form der Erinnerung verbindet das Gedenken an die Ermordeten mit der Anklage der Bedingungen, die solche Morde hervorbringen.

In schrecklicher Kontinuität töten rechte Terroristen aber diese Kontinuität ist kein Schicksal. Sie kann und sie muss beendet werden – in Erinnerung an die Toten und zur Rettung der Lebenden.