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Quelle: bnr.de/05.01.2015/Dokumentation

Tarnung: Wandervogel

Die Anführer des völkisch-nationalistischen „Sturmvogel – Deutscher Jugendbund“ scheuen die Öffentlichkeit. Aus gutem Grund, sie sind angehende Lehrer. Silvester erhielt der Bund mit seinem Winterlager Hausverbot bei den Pfadfindern.

Seit Jahren wird der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder e.V. (BdP) nicht müde, sich immer wieder öffentlich von neonazistischen und völkischen Gruppen zu distanzieren und nachhaltig Aufklärungsarbeit zu leisten. Dass sich jetzt ausgerechnet der als rechts geltende „Sturmvogel – deutscher Jugendbund“ im Zentrum des BdP in Hessen einmietete, fasst nicht nur der stellvertretende Bundesvorsitzende Oliver Wunder als Provokation auf. Er sieht darin auch den Versuch, die bewusste politische Abgrenzung zu umgehen und sich als vermeintlich harmlose Gruppe zu etablieren. Zuletzt im Sommer hatten nicht nur ehemalige Aktivisten der verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) ihren Nachwuchs beim „Sturmvogel“ abgeliefert beziehungsweise am Lagerleben in Brandenburg teilgenommen, sondern auch der Schweizer Holocaust-Leugner Bernhard Schaub, der inzwischen in Mecklenburg-Vorpommern lebt, war dabei.

Inzwischen scheinen die Organisatoren des „Sturmvogels“ getarnt vorzugehen. Als „Wandervogel-Gruppe“ mietete ein Schweizer Zimmermann, der mit seiner Familie nahe Himbergen in der Lüneburger Heide lebt, unter anderem Sippenhäuser, 10er Zimmer, die Selbstversorgerküche sowie den Saal der Pfadfinder für über 3000 Euro in Immenhausen an. Das Lager in Hessen mit rund 65 Kindern begann am 27. Dezember und sollte nach Silvester mit 100 Gästen, darunter vielen Erwachsenen,  in einem „Bunten Abend“ mit Fackelzug und Feuerstoß enden. Ganz ähnlich hatte auch die „Heimattreue Deutsche Jugend“ ihren Nachwuchs betreut. Nicht nur die Veranstaltungen gleichen sich, sondern es gibt eben auch personelle Überschneidungen. Daher, so Oliver Wunder, zählen die „Sturmvögel“ auch zu den Gästen, die „unerwünscht“ sind, da sie unter einem Deckmantel völkische Kinder- und Jugendfreizeiten durchführen.

Auf Uniformen und grüne Kluft mit dem schwarz-weiß-rotem Sturmvogel-Symbol verzichteten die Anführer nach öffentlich gewordenen Berichten ihres Sommerlagers diesmal wohlweislich. Dennoch verrieten Frisuren, altertümliches Outfit und militärisch anmutendes Auftreten die Gruppe, nachdem sie sich am Rande des Reinhardswaldes im Zentrum Pfadfindern in Immenhausen einquartiert hatten. Nach dem Besuch einer Eissporthalle im 15 Kilometer entfernten Kassel mussten sich die Kinder und Jugendlichen wie gewohnt, nach Größe geordnet, in einer Reihe aufstellen, wie antifaschistische Gruppen aus der Region bemerkten.  Während der Woche soll es ein „Geländespiel“ im Wald gegeben haben und am Silvestertag trugen die Jungen dann Baumstämme hinter das Anwesen.

Die Küchenarbeit des „Sturmvogel“-Lagers in Immenhausen übernahmen wieder einmal Petra Müller aus Lalendorf und Ingeborg Godenau. Müller, war ehemals in der HDJ aktiv, hatte 2006 den NPD-nahen „Ring Nationaler Frauen“ mit gegründet. Ingeborg Godenau ist eine der bekanntesten rechten Frauen in Hessen, ihr Ehemann engagiert sich in der NPD. Jüngere Männer mit einem Wagen aus Nordfriesland kontrollierten die Zufahrten. Zu Silvester fuhren Erwachsene aus dem Ilmkreis, aus Broitze bei Uelzen oder aus Bautzen heran.


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Martina Renner

Martina Renner ist stellvertretende Parteivorsitzende und Mitglied des Bundestages, im Innenausschuss und stellvertretend im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz. Sie ist im Kuratorium der Bundeszentrale für Politische Bildung im Beirat des Bündnis für Demokratie und Toleranz vertreten sowie Sprecherin für antifaschistische Politik der Linksfraktion im Bundestag und Obfrau im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Anschlag auf dem Breitscheidplatz.

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